Müßiggang -Was tun Sie, wenn Sie nichts tun?

Ich sitze im Garten. Endlich eine Stunde frei, keine Erledigungen, keine Gespräche, keine Termine. Was jetzt? Ein Buch lesen, Musik hören, endlich die aufgeschobenen Telefonate erledigen oder einfach vor sich hin dösen? Früher erging es mir in solchen Situationen so: Ich konnte mich nicht entscheiden, was ich machen will bzw. soll. Meine Überlegungen zur Entscheidungsfindung sahen etwa so aus: Ein Buch lesen: ja aber wer weiß, wann ich es weiter lesen kann und meist fallen mir eh gleich die Augen beim Lesen zu. Gut, dann vor sich hin dösen… die kostbare freie Zeit soll ich verschlafen? Wie einfallslos, ich wünsche mir was Schönes! Musik hören… der Kopfhörer hat alte Batterien, bis ich die jetzt ausgewechselt habe…. Meine Freude über die Mußestunde schwand in diesen Momenten und machte einem Gefühl der Unzufriedenheit platz. Ich kann grad nix mit mir anfangen, wie langweilig fühle ich mich eigentlich! Andere amüsieren sich derweil und genießen das schöne Wetter… ich finde nichts, was mir wirklich Freude machen würde. Meist entschied ich mich dann dafür, etwas Nützliches zu tun, das Telefonat zu führen oder die Spülmaschine auszuräumen, bis es Zeit war, zur Tagesordnung über zu gehen. Oft sogar vergeudete ich unmerklich meine Mußestunden, es fiel mir nicht mal auf, dass ich erleichtert war, wenn es wieder was zu tun gab. Kennen Sie das auch?

Wovor bin ich da eigentlich weggelaufen? Warum reicht es nicht, einfach mal das Nichts tun zu genießen? Antwort: Weil ich es damals nicht konnte! Ja, genießen kann man lernen und es ist gar nicht so schwer. Inzwischen ist mein Lebensgenuss nicht mehr auf die besonderen Momente der Freizeit begrenzt, es gelingt mir, mein Leben insgesamt zu genießen, es mir gut gehen zu lassen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Klar gibt’s im Leben auch weniger schöne Momente, aber die gehen schnell vorbei. Genießen hat etwas mit Annehmen dessen zu tun, was ist und mit der Fähigkeit, sich darüber aus tiefstem Herzen zu freuen. Wann haben Sie sich das letzte Mal über Ihr weiches warmes Bett gefreut? Oder über den freundlichen Gruß Ihres Nachbarn? Oder wann haben Sie sich schlicht und ergreifend darüber gefreut, dass Sie genug zu essen haben, warmes Wasser aus der Dusche kommt und die Waschmaschine für Sie die Knochenarbeit erledigt? Sehr wahrscheinlich ist das, wie bei den meisten von uns, schon eine Weile her. All das sehen wir als selbstverständlich an, was dazu führt, dass wir uns viel eher über den tropfenden Wasserhahn aufregen, als uns zu freuen, dass jederzeit sauberes Wasser sogar im 10. Stock einfach aus der Wand kommt.

Bitte? Sie finden das übertrieben? Naja, zugegeben, um zu genießen brauchen Sie nicht unbedingt eine Waschmaschine, aber z.B. die Fähigkeit sich zu entspannen und negative Gedanken los zu lassen, sowie Achtsamkeit und Wertschätzung für das, was gerade im Hier und Jetzt ist.

Auch das Wissen um die Macht der eigenen Gedanken ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg ins Lebensglück. Achten Sie doch einmal darauf, mit welchen Gedanken Sie morgens in den Tag starten und legen Sie Ihren Fokus auf das, worauf Sie sich freuen können, z.B. auf ein gutes Frühstück und die Menschen, denen Sie begegnen werden.

Fünf Tipps, um das Leben besser genießen zu können:


1.Finden Sie raus, was Ihnen Genuss bereitet

Um genießen zu können, muss man natürlich erst mal wissen, was Genuss bereitet. Das klingt trivial, aber daran scheitern die meisten Menschen bereits, denn das erfordert Mut, die eigenen Vorstellungen auszuprobieren, in die Tat umzusetzen. Sie können sich lang und breit erklären lassen, wie eine Banane schmeckt, Sie werden erst wirklich herausfinden, ob eine Banane Ihnen Genuss bereitet, wenn Sie hineinbeißen und es ausprobieren. In seinem schönen Garten herrlich relaxen und entspannen kann nur, wer nicht ständig darüber nachdenkt, wie viel Gartenarbeit noch zu erledigen ist. So ist es auch mit erträumten Fernreisen, dem neuen Auto oder dem neuen Sofa, wo das Alte doch noch gut ist.

2.Erlauben Sie es sich – ohne wenn und aber

Ja, ich höre sie, die vielen Protestrufe! Aber das ist zu teuer, ich habe keine Zeit, mein Mann hätte was dagegen, ich hab keinen Babysitter, der Hund muss noch raus… usw. Es gibt selten die idealen Bedingungen, die erst sein müssen, es werden kann, es sei denn, Sie warten nicht länger darauf und packen die Sache an.

3. Achtsamkeit- auch kleine Dinge sind es wert, gesehen zu werden

Auch im Alltag gibt es viele Gelegenheiten, zu genießen, wenn wir den Blick darauf nehmen. Eine kleine Kaffeepause wird zur genussreichen Auszeit, wenn Sie den Kaffee mit allen Sinnen erleben, den Duft wahrnehmen, kleine Schlucke nehmen, den Geschmack auf der Zunge bewusst zu fühlen und dabei keinen Gedanken an das verschwenden, was Sie danach zu tun haben.

4.Den positiven Blick entwickeln – das Glas ist halb voll, nicht halb leer

Wer kennt das nicht: der Tag ist vorbei, es ist Zeit zum Schlafengehen, und wieder mal ist vieles liegen geblieben, was nicht mehr erledigt werden konnte. Sich darüber zu ärgern bringt außer Unzufriedenheit und schlechter Laune nicht viel, also nehmen Sie lieber den Blick darauf, was an dem vergangenen Tag lohnend war. Selbst wenn Sie gar nichts geleistet und den ganzen Tag in der Sonne gelegen haben, dürfen Sie sich darüber freuen, schließlich haben Sie für Ihr Wohlbefinden gesorgt.

5. Gute Gedanken machen gute Gefühle

Wertschätzung und Anerkennung tun jedem Menschen gut, jeder hört gern ein Kompliment oder ein Dankeschön. Leider gehen wir selbst oft nicht so freundlich mit uns um.Da gibt es eher eine kritische innere Stimme, die im Selbstgespräch streng und unerbittlich kritisiert, nörgelt oder sogar übelste Beschimpfungen los lässt. Kennen Sie das?

Bringen Sie den inneren Kritiker zum Schweigen und tun Sie sich was Gutes: Loben Sie sich, geben Sie sich all das, was Sie so gern von anderen hören: Ein Dankeschön, ein Kompliment oder einfach nur ein freundliches Wort.

 

Ihre Kathrin Schmitz

 

Über Kathrin Schmitz:
Kathrin Schmitz wurde 1960 in Leipzig geboren und lebt seit 1982 im Rhein-Erft-Kreis.
Als Diplom-Psychologin und Coach betreibt sie eine psychotherapeutische Privatpraxis in Bergheim.

www.praxis-bergheim.de

 

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