Schmerzen

Schmerz hat eine wichtige Funktion …

Die meisten  Menschen haben Angst vor Schmerzen und deshalb greifen sie schnell und dankbar zu jeder Art von Schmerzbekämpfungsmitteln. In der Medizin wird alles dafür getan, Schmerzen zu beseitigen und zwar möglichst schnell und dauerhaft. Schmerzen einfach auszuschalten ist sicher eine schnelle Lösung, aber in den meisten Fällen ist es nur eine Symptombekämpfung. Auch wenn die Symptomlinderung eine wichtige Angelegenheit ist, um die physische und mentale Handlungsfreiheit des betroffenen Menschen wieder herzustellen, ist doch die Frage angebracht, wozu der Schmerz überhaupt da ist.

Schmerz hat eine sehr wichtige Funktion: Er soll uns nämlich vor einer drohenden Schädigung warnen oder auf einen Krisenherd aufmerksam machen.  Der Schmerz weist immer auf die Art und den Ort des Problems hin und kann die Aufmerksamkeit derart fesseln, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, den Krisenherd zu ignorieren. Indem der Schmerz die Aufmerksamkeit auf eine Krise, eine Störung, fokussiert sorgt er dafür, dass eine weitere Schädigung vermieden wird. Normalerweise belasten oder berühren wir nämlich schmerzende Stellen nicht weiter und sorgen so für eine Entlastung. 

Ein schmerzender Zahn kann beispielsweise eine akute Entzündung oder seine langsame Auflösung durch Karies anzeigen. Hier eine Schmerztablette zu nehmen anstatt zum Zahnarzt zu gehen, würde zwar den Schmerz kurzzeitig lindern, aber nicht die Schmerzursache beseitigen. Wenn wir die Betäubung dieses Schmerzes durch weitere Gaben Schmerzmittels länger andauern lassen, so würde sich die Ursache weiter ausbreiten und möglicherweise zu  einer lebensbedrohlichen Infektion ausweiten.

Nun lässt sich aber nicht für jeden Schmerz eine physische Ursache finden. Es gibt Schmerzen, die sich in psychischen Ursachen begründen. Sehr oft kommen Menschen zu Therapeuten  in die Praxis, weil ihr Arzt trotz heftiger Beschwerden keine körperlichen Ursachen finden konnte. Das heißt aber nicht, dass es keine Ursache gibt. Solche psychisch verursachten Schmerzen können bei der physischen Untersuchung nur solche Ergebnisse  liefern, die dem Symptom entsprechen. Aber für die Symptome keine physischen Ursachen gefunden werden.  Trotz dieses Widerspruchs muss man aber davon ausgehen, dass es eine Ursache gibt, auch wenn diese sich nicht im Körper finden lässt.

Was ist psychischer Schmerz und wozu soll er gut sein?

Die Psyche ist nichts anderes als unser Gedankengerüst, welches aus vielen Überzeugungen, Einstellungen und Glaubenssystemen besteht. Wenn hier ein Schmerz auftritt, so wurde er durch Worte oder Gedanken erzeugt, die wir entweder selbst denken oder die von anderen Menschen ausgesprochen werden. Wir sprechen dann auch davon zu leiden. Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dass uns jemand anderes leiden lassen oder uns psychisch verletzen kann. Außer in der Folter, bei kleinen Kindern und geistig behinderte Personen kann niemand in einer anderen Person einen psychischen Schmerz bzw. Leid erzeugen.

Ein Streit-Beispiel:

Im Streit beleidigt der Ehemann seine Frau und sagt zornig: „Du bist unfähig!“, weil sie vieles nicht kann, was für ihn selbstverständlich ist. Sie spürt in diesem Moment einen tiefen Schmerz in ihrem Herzen. Es tut ihr weh, dass er so denkt.

Schauen wir genauer hin, so denkt sie: „Er denkt, dass ich unfähig bin, sonst hätte er es ja nicht gesagt.“  Und genau das tut IHR weh! Weil SIE diesen Gedanken annimmt und mitdenkt, empfindet SIE Schmerz. Denn wäre sie sicher, dass sie nicht unfähig ist, auch wenn sie vielleicht vieles nicht könnte, was für IHN selbstverständlich ist, dann würde sie dieser Kritik anders begegnen und die Unwahrheit seiner Aussage sofort erkennen.

Sie würde auf keinen Fall in Resonanz mit seinen Gedanken gehen und so auch keinen Schmerz spüren. Zumindest könnte sie den Schmerz in seiner Funktion erkennen und ihn als Hinweis auf einen Problemherd in ihr selbst identifizieren.

Schmerz als Warnung und Hilfe …

Der Schmerz will die Frau im Beispiel vor einem Schaden durch einen abwertenden Gedanken warnen, der sie in ihrer Entfaltung und Entwicklung schädigt, oder aber auf ein Problem in der Beziehung zu einem Mann aufmerksam machen, der sich ihr gegenüber gehen lässt und sich nicht die Mühe macht, auf ihre Person und Gefühle einzugehen.

Der Schmerz macht ihr bewusst, was sie selbst über sich und die aktuelle Situation denkt. Ihr Schmerz kann ihr helfen sich ihre Beziehung zu ihm genau anzuschauen und dann ihre Entscheidungen zu fällen.  Sie hat die Wahl und kann sowohl ihre eigenen Gedanken als auch ihre Entscheidungen so verändern, dass eine weitere Schädigung ihrer Gefühle nicht eintritt bzw. vollständig beendet wird.

Psychischer Schmerz schützt uns vor eigener und fremder Abwertung bzw. Schädigung unseres Selbstvertrauens. Die Abwertung unserer Person schränkt immer unseren Handlungs- und Entscheidungsspielraum ein.  Dabei werten wir uns immer selbst ab, auch wenn die Abwertung durch die Aussage einer anderen Person erfolgt.  Indem wir der Kritik an uns glauben, sie für „wahr“ erachten, erzeugen wir in uns psychischen Schmerz und leiden darunter. Dieses Leid wird durch Gedanken oder Verhalten ausgelöst, dass uns wirklich oder vermeintlich schadet und uns in unserer Entwicklung begrenzt.

Keine Opfer …

Weil wir uns also selbst dem Schmerz öffnen, indem wir etwas für „wahr“ halten, das unserer Entwicklung im Wege steht, liegt es auch in unserer eigenen Entscheidung daran etwas zu ändern. Wir sind keine hilflosen Opfer - es sei denn, wir wurden geknebelt und gefesselt – der Umstände und wir sind für unsere Gefühle selbst verantwortlich.  Damit auch für den Schmerz und Leid und Trauer. Aber auch für Hoffnung, Glück und Freude. Jeder Mensch ist ein selbstbestimmtes, Entscheidungen treffendes Wesen, dessen Intelligenz aus seinem Vorrat an Wissen und Lebenserfahrung schöpft.  
Bleibt die Frage, warum trotzdem so viele Menschen leiden und oft nicht in der Lage sind, das Leid zu beenden. Genau hier ist der Wissens- und Erfahrungsvorrat aus dem wir unserer Entscheidungen begründen die Wurzel des Problems. Es sind die  angesammelten Gedanken- und Glaubenssysteme, die uns Zustimmung oder Ablehnung, Glück oder Schmerz empfinden lassen. In dem wir denken erzeugen wir Gefühle.  Gedanken erschaffen unsere Realität und zwar auch die Gedanken, die wir nicht bewusst ausformulieren.

Wenn die Frau aus unserem Beispiel an ihre Unfähigkeit glaubt, dann wird sie versuchen sich zu rechtfertigen und weil kein Mensch unfähig ist, schließlich versuchen dem Schmerz zu entgehen indem sie seinen Anforderungen gerecht wird. Doch dieses Verhalten entspricht der weiteren Einnahme einer Schmerztablette und wird dazu führen, dass das verursachende Problem in der Beziehung sich solange  ausbreitet, bis es mit diesem Mittel nicht mehr gelindert werden kann. In der Regel sind uns diese Verhalten aufgrund innerer Glaubenssysteme nicht bewusst und deshalb ist das Leiden, ein wichtiger Wegweiser diese Irrtümer korrigieren zu können.

Was sollte man über psychischen Schmerz wissen …

Psychischer Schmerz wird genauso im Körper wahrgenommen, wie jeder physische Schmerz. Er tritt ebenfalls an den unterschiedlichsten Stellen auf und kann meistens genau lokalisiert werden. Sogar sehr heftige Schmerzen, die beispielsweise dem eines Herzinfarkts gleichen, können auftreten, ohne dass eine tatsächliche körperliche Schädigung vorhanden ist.
Sie können dabei manchmal sogar physische Wirkungen, wie Lähmungen, Hautauschlag, Nervenreizungen, Bluthochdruck usw. erzeugen.

Sehr oft laufen die Betroffenen von einer medizinischen Diagnose zur anderen und werden dabei immer „kranker“, weil ihr Arzt entweder keinen Befund liefert, was sie in höchste Unruhe versetzt, oder weil die vielen konsultierten Ärzte bereits einen ganzen Strauß an verschiedensten Diagnosen ins Rennen schickten. Da aber keine körperliche Ursache gefunden wird, steigt die Angst des Betroffenen und er beginnt, sich für einen hoffnungslosen Fall zu halten, fühlt sich unverstanden und verzweifelt an der Hoffnungslosigkeit seiner Situation.

Wertvolle Zeit verstreicht, bis als letzte Rettung psychologischer Rat eingeholt  wird.

psychischer Schmerz ist Disharmonie …

Auch für den psychischen Schmerz gibt es einen Grund, der aber nicht auf einer Organschädigung beruht, sondern auf einer disharmonische Situation im mentalen System. Meistens weist er direkt auf kränkende Gedanken und das darauf folgende Verhalten hin. Heftige Schmerzen in der Brust zB. sind typische Angstsymptome, die bei starkem Stress entstehen können. Nieren und Herzschmerzen weisen auf Beziehungsprobleme hin. In der Umgangssprache sagt man: Es ist jemandem an die Nieren gegangen oder jemandes Herz sei gebrochen,  ihm sei die Galle übergelaufen oder er sei sauer. So finden die mentalen Konfliktherde in den Körperorganen ihren Ausdruck und Fehlfunktionen dieser Körperteile sind die Folge, ohne das dafür physische Ursachen auffindbar wären.

Meistens ist sich der Betroffene dessen gar nicht bewusst. Doch er kann die  Symptome, wie Hektik, innere Unruhe, Anspannung oder gar Schlafprobleme und Konzentrationsmangel, benennen. Die hinter diesen Symptomen liegenden, schmerzfördernden Gedanken kann er aufgrund seiner „Unbewusstheit“ nicht erkennen, da sie durch innere Regeln überdeckt werden, die er unreflektiert befolgt. Sie könnten beispielsweise so lauten:

  • „Ich muss immer allen an mich gestellten Anforderungen gerecht werden“
  • „ich darf keine Aufträge zurück geben“
  • „ich darf nicht „nein“ sagen“
  •  „ich muss meine Ziele erreichen“
  •  „ich darf keine Fehler machen“
  • „ich muss unter allen Umständen Frieden bewahren“
  • „ich bin für (alles und jedes) verantwortlich“
  • „ich darf meine Gefühle nicht ausleben“
  • „ich muss immer wachsam sein“

Diese Regeln werden ohne wenn und aber befolgt, was sehr schnell zu körperlicher Erschöpfung führt und damit zu einer sich immer schneller zuziehenden Schlinge aus Anforderung und Unerfüllbarkeit. Schaut man etwas tiefer in diesen Mechanismus hinein, stößt man unweigerlich auf die Wurzel des Schmerzes: Es ist eine versteckte Angst! Eine Angst  z.B. vor Versagen. Und was passiert, wenn versagt wurde? Dann fürchten wir:

  • als „blöd da zu stehen“
    • „nicht mehr mithalten  zu können“,
    • „Geld, Weib, Hof und Job zu verlieren“
    • „ausgelacht zu werden“
    • „aus der (Gemeinschaft, Familie, Liebesbeziehung) ausgeschlossen zu werden“

Diese Befürchtungsgedanken beschreiben also einen Mangel, der zusammengefasst als „Zunahme an Wertlosigkeit“ ausgedrückt werden kann.  Wer solche Befürchtungen hegt,  trägt starke Selbstzweifel in sich, die in einem mangelnden Selbstwert wurzeln. Ein solcher Mensch glaubt nämlich, dass all sein Können, alles was er ist,  nicht ausreicht, um geliebt, geachtet und verstanden zu werden.

Wenn der Schmerz hinterfragt wird, finden wir also Gedanken, die unser Wesen als mangelhaft, unvollkommen und fehlerhaft beschreiben. Diese Gedanken sind von unserer eigenen Intelligenz erzeugt worden, die aufgrund der Analyse unsers Wissens und unserer Lebenserfahrung zu genau diesen Bewertungen und Entscheidungen kam. Und wenn wir hier tiefer schürfen, dann müssen wir uns eingestehen, dass es die in diesem Wissens- und Erfahrungsschatz verankerten Konstruktionen sind, die ursächlich zu diesen negativen Gedanken über uns selbst führen.

Es sind stets abwertende, unsere Entwicklung behindernde Gedanken, die psychischem Schmerz zugrunde liegen.  Und diese Gedanken stecken in den verborgenen, uns nicht bewussten Glaubenssystemen und Überzeugungen, die scheinbar nur sehr schwer zugänglich und  veränderbar sind, da sie seit vielen Jahren unreflektiert verwendet und immer wieder eingeübt wurden. In den Tiefen unseres Bewusstseins schlummern tausende solcher Glaubenssysteme, die einst Erfahrungen waren oder daraus abgeleitete Erkenntnisse sind und in uns nach folgendem Prinzip steuern:

Gute Gedanken - gute Gefühle,  schlechte Gedanken -  schlechte Gefühle.

Schmerz ist ein sehr starkes Gefühl, aber eben ein durch Gedanken erzeugtes Gefühl und deswegen ist Schmerz auch durch Gedanken heilbar. Wir Menschen denken ca. 2000 bewusste Gedanken pro Stunde. Das entspricht 0,0005 Promille dessen, was an Informationen in der gleichen Zeit an Informationen im  Gehirn verarbeitet wird. Die weitaus meisten „Gedanken“ werden nicht in Worten ausformuliert, sondern sie agieren als Grundlage auf der sich unser gesamtes Denken abspielt. Dies sind die hinder- und förderlichen  Glaubenssysteme, die uns Schmerz und Glück bereiten. Tragen wir zu viel Hinderliches mit uns herum, wird das kurz über lang zu Leid und Schmerz führen.

Wir können das ändern …

Wir können das ändern, indem wir uns auf eine spannende Reise begeben, die tief in unser Inneres führt. Auf dieser Reise erfahren wir, wie unsere Gedanken entstehen und daraus Gefühle werden. Wir tauchen in unseren Wissens- und Erfahrungsspeicher ein und bewerten die darin enthaltenen Informationen neu. Damit ändern wir die Regeln, mit denen wir unser Leben gestalten. Die Folge davon ist eine höhere Zufriedenheit mit sich selbst, eine größere Wertschätzung der eigenen Person und ein schmerzfreies Leben. 

 


 

Schmerz  hat eine wichtige Funktion …

Die meisten  Menschen haben Angst vor Schmerzen und deshalb greifen sie schnell und dankbar zu jeder Art von Schmerzbekämpfungsmitteln. In der Medizin wird alles dafür getan, Schmerzen zu beseitigen und zwar möglichst schnell und dauerhaft. Schmerzen einfach auszuschalten ist sicher eine schnelle Lösung, aber in den meisten Fällen ist es nur eine Symptombekämpfung. Auch wenn die Symptomlinderung eine wichtige Angelegenheit ist, um die physische und mentale Handlungsfreiheit des betroffenen Menschen wieder herzustellen, ist doch die Frage angebracht, wozu der Schmerz überhaupt da ist.

 

Schmerz hat eine sehr wichtige Funktion: Er soll uns nämlich vor einer drohenden Schädigung warnen oder auf einen Krisenherd aufmerksam machen.  Der Schmerz weist immer auf die Art und den Ort des Problems hin und kann die Aufmerksamkeit derart fesseln, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, den Krisenherd zu ignorieren. Indem der Schmerz die Aufmerksamkeit auf eine Krise, eine Störung, fokussiert sorgt er dafür, dass eine weitere Schädigung vermieden wird. Normalerweise belasten oder berühren wir nämlich schmerzende Stellen nicht weiter und sorgen so für eine Entlastung. 

 

Ein schmerzender Zahn kann beispielsweise eine akute Entzündung oder seine langsame Auflösung durch Karies anzeigen. Hier eine Schmerztablette zu nehmen anstatt zum Zahnarzt zu gehen, würde zwar den Schmerz kurzzeitig lindern, aber nicht die Schmerzursache beseitigen. Wenn wir die Betäubung dieses Schmerzes durch weitere Gaben Schmerzmittels länger andauern lassen, so würde sich die Ursache weiter ausbreiten und möglicherweise zu  einer lebensbedrohlichen Infektion ausweiten.

 

Nun lässt sich aber nicht für jeden Schmerz eine physische Ursache finden. Es gibt Schmerzen, die sich in psychischen Ursachen begründen. Sehr oft kommen Menschen zu Therapeuten  in die Praxis, weil ihr Arzt trotz heftiger Beschwerden keine körperlichen Ursachen finden konnte. Das heißt aber nicht, dass es keine Ursache gibt.  Solche psychisch verursachten Schmerzen können bei der physischen Untersuchung nur solche Ergebnisse  liefern, die dem Symptom entsprechen. Aber für die Symptome keine physischen Ursachen gefunden werden.  Trotz dieses Widerspruchs muss man  aber davon ausgehen, dass es eine Ursache gibt, auch wenn diese sich nicht im Körper finden lässt.

Was ist psychischer  Schmerz und wozu soll er gut sein?

Die Psyche ist nichts anderes als unser Gedankengerüst, welches aus vielen Überzeugungen, Einstellungen und Glaubenssystemen besteht. Wenn hier ein Schmerz auftritt, so wurde er durch Worte oder Gedanken erzeugt, die wir entweder selbst denken oder die von anderen Menschen ausgesprochen werden. Wir sprechen dann auch davon zu leiden. Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dass uns jemand anderes leiden lassen oder uns psychisch verletzen kann. Außer in der Folter, bei kleinen Kindern und geistig behinderte Personen kann niemand in einer anderen Person einen psychischen Schmerz bzw. Leid  erzeugen.

Ein Streit Beispiel:

Im Streit beleidigt der Ehemann seine Frau und sagt zornig: „Du bist unfähig!“, weil sie vieles nicht kann, was für ihn selbstverständlich ist. Sie spürt in diesem Moment einen tiefen Schmerz in ihrem Herzen. Es tut ihr weh, dass er so denkt.

Schauen wir genauer hin, so denkt sie:  „Er denkt, dass ich unfähig bin, sonst hätte er es ja nicht gesagt.“  Und genau das tut IHR weh! Weil SIE diesen Gedanken annimmt und mitdenkt, empfindet SIE Schmerz. Denn wäre sie sicher, dass sie nicht unfähig ist, auch wenn sie vielleicht vieles nicht könnte, was für IHN selbstverständlich ist, dann würde sie dieser Kritik anders begegnen und die Unwahrheit seiner Aussage sofort erkennen.

Sie würde auf keinen Fall in Resonanz mit seinen Gedanken gehen und so auch keinen Schmerz spüren. Zumindest könnte sie den Schmerz in seiner Funktion erkennen und ihn als Hinweis auf einen Problemherd in ihr selbst identifizieren.

Schmerz als Warnung und Hilfe …

Der Schmerz will die Frau im Beispiel vor einem Schaden durch einen abwertenden Gedanken warnen, der sie in ihrer Entfaltung und Entwicklung schädigt,  oder aber auf ein Problem in der Beziehung zu  einem Mann aufmerksam machen, der sich ihr gegenüber gehen lässt und sich nicht die Mühe macht, auf ihre Person und Gefühle einzugehen.

Der Schmerz macht ihr bewusst, was sie selbst über sich und die aktuelle Situation denkt. Ihr Schmerz kann ihr helfen sich ihre Beziehung zu ihm genau anzuschauen und dann ihre Entscheidungen zu fällen.  Sie hat die Wahl und kann sowohl ihre eigenen Gedanken als auch ihre Entscheidungen so verändern, dass eine weitere Schädigung ihrer Gefühle nicht eintritt bzw. vollständig beendet wird.

 

Psychischer Schmerz schützt uns vor eigener und fremder Abwertung bzw. Schädigung unseres Selbstvertrauens. Die Abwertung unserer Person schränkt immer unseren Handlungs- und Entscheidungsspielraum ein.  Dabei werten wir uns immer selbst ab, auch wenn die Abwertung durch die Aussage einer anderen Person erfolgt.  Indem wir der Kritik an uns glauben, sie für „wahr“ erachten, erzeugen wir in uns psychischen Schmerz und leiden darunter. Dieses Leid wird durch Gedanken oder Verhalten ausgelöst, dass uns wirklich oder vermeintlich schadet und uns  in unserer Entwicklung begrenzt.

Keine Opfer …

Weil wir uns also selbst dem Schmerz öffnen, indem wir etwas für „wahr“ halten, das unserer Entwicklung im Wege steht, liegt es auch in unserer eigenen Entscheidung daran etwas zu ändern. Wir sind keine hilflosen Opfer - es sei denn, wir wurden geknebelt und gefesselt – der Umstände und wir sind für unsere Gefühle selbst verantwortlich.  Damit auch für den Schmerz und Leid und Trauer. Aber auch für Hoffnung, Glück und Freude. Jeder Mensch ist ein selbstbestimmtes, Entscheidungen treffendes Wesen, dessen Intelligenz aus seinem Vorrat an Wissen und Lebenserfahrung schöpft.  
Bleibt die Frage, warum trotzdem so viele Menschen leiden und oft nicht in der Lage sind, das Leid zu beenden. Genau hier ist der Wissens- und Erfahrungsvorrat aus dem wir unserer Entscheidungen begründen die Wurzel des Problems. Es sind die  angesammelten Gedanken- und Glaubenssysteme, die uns Zustimmung oder Ablehnung, Glück oder Schmerz empfinden lassen. In dem wir denken erzeugen wir Gefühle.  Gedanken erschaffen unsere Realität und zwar auch die Gedanken, die wir nicht bewusst ausformulieren.

Wenn die Frau aus unserem Beispiel an ihre Unfähigkeit glaubt, dann wird sie versuchen sich zu rechtfertigen und weil kein Mensch unfähig ist, schließlich versuchen dem Schmerz zu entgehen indem sie seinen Anforderungen gerecht wird. Doch dieses Verhalten entspricht der weiteren Einnahme einer Schmerztablette und wird dazu führen, dass das verursachende Problem in der Beziehung sich solange  ausbreitet, bis es mit diesem Mittel nicht mehr gelindert werden kann. In der Regel sind uns diese Verhalten aufgrund innerer Glaubenssysteme nicht bewusst und deshalb ist das Leiden, ein wichtiger Wegweiser diese Irrtümer korrigieren zu können.

Was sollte man über psychischen Schmerz wissen …

Psychischer Schmerz wird genauso im Körper wahrgenommen, wie jeder physische Schmerz. Er tritt ebenfalls an den unterschiedlichsten Stellen auf und kann meistens genau lokalisiert werden. Sogar sehr heftige Schmerzen, die beispielsweise dem eines Herzinfarkts gleichen, können auftreten, ohne dass eine tatsächliche körperliche Schädigung vorhanden ist.
Sie können dabei manchmal sogar physische Wirkungen, wie Lähmungen, Hautauschlag, Nervenreizungen, Bluthochdruck usw. erzeugen.

Sehr oft laufen die Betroffenen von einer medizinischen Diagnose zur anderen und werden dabei immer „kranker“, weil ihr Arzt entweder keinen Befund liefert, was sie in höchste Unruhe versetzt, oder weil die vielen konsultierten Ärzte bereits einen ganzen Strauß an verschiedensten Diagnosen ins Rennen schickten. Da aber keine körperliche Ursache gefunden wird, steigt die Angst des Betroffenen und er beginnt, sich für einen hoffnungslosen Fall zu halten, fühlt sich unverstanden und verzweifelt an der Hoffnungslosigkeit seiner Situation.

Wertvolle Zeit verstreicht, bis als letzte Rettung psychologischer Rat  eingeholt  wird.

psychischer Schmerz ist Disharmonie …

Auch für den psychischen Schmerz gibt es einen Grund, der aber nicht auf einer Organschädigung beruht, sondern auf einer disharmonische Situation im mentalen System. Meistens weist er direkt auf kränkende Gedanken und das darauf folgende Verhalten hin. Heftige Schmerzen in der Brust zB. sind typische Angstsymptome, die bei starkem Stress entstehen können. Nieren und Herzschmerzen weisen auf Beziehungsprobleme hin. In der Umgangssprache sagt man:  Es ist jemandem an die Nieren gegangen oder jemandes Herz sei gebrochen,  ihm sei die Galle übergelaufen oder er sei sauer. So finden die mentalen Konfliktherde in den Körperorganen ihren Ausdruck und Fehlfunktionen dieser Körperteile sind die Folge, ohne das dafür physische Ursachen auffindbar wären.

Meistens ist sich der Betroffene dessen gar nicht bewusst. Doch er kann die  Symptome,  wie Hektik, innere Unruhe, Anspannung oder gar Schlafprobleme und Konzentrationsmangel, benennen. Die hinter diesen Symptomen liegenden, schmerzfördernden Gedanken kann er aufgrund seiner „Unbewusstheit“ nicht erkennen, da sie durch innere Regeln überdeckt werden, die er unreflektiert befolgt. Sie könnten beispielsweise so lauten:

·         „Ich muss immer allen an mich gestellten Anforderungen gerecht werden“

  • „ich darf keine Aufträge zurück geben“
  • „ich darf nicht „nein“ sagen“
  •  „ich muss meine Ziele erreichen“
  •  „ich darf keine Fehler machen“
  • „ich muss unter allen Umständen Frieden bewahren“
  • „ich bin für (alles und jedes) verantwortlich“
  • „ich darf meine Gefühle nicht ausleben“
  • „ich muss immer wachsam sein“

Diese Regeln werden ohne wenn und aber befolgt, was sehr schnell zu körperlicher Erschöpfung führt und damit zu einer sich immer schneller zuziehenden Schlinge aus Anforderung und Unerfüllbarkeit. Schaut man etwas tiefer in diesen Mechanismus hinein, stößt man unweigerlich auf die Wurzel des Schmerzes: Es ist eine versteckte Angst! Eine Angst  z.B. vor Versagen. Und was passiert, wenn versagt wurde? Dann fürchten wir:

·         als „blöd da zu stehen“

·         „nicht mehr mithalten  zu können“,

·         „Geld, Weib, Hof und Job zu verlieren“

·         „ausgelacht zu werden“

·         „aus der (Gemeinschaft, Familie, Liebesbeziehung) ausgeschlossen zu werden“

Diese Befürchtungsgedanken beschreiben also einen Mangel, der zusammengefasst als „Zunahme an Wertlosigkeit“ ausgedrückt werden kann.  Wer solche Befürchtungen hegt,  trägt starke Selbstzweifel in sich, die in einem mangelnden Selbstwert wurzeln. Ein solcher Mensch glaubt nämlich, dass all sein Können, alles was er ist,  nicht ausreicht, um geliebt, geachtet und verstanden zu werden.

Wenn der Schmerz hinterfragt wird, finden wir also Gedanken, die unser Wesen als mangelhaft, unvollkommen und fehlerhaft beschreiben. Diese Gedanken sind von unserer eigenen Intelligenz erzeugt worden, die aufgrund der Analyse unsers Wissens und unserer Lebenserfahrung zu genau diesen Bewertungen und Entscheidungen kam. Und wenn wir hier tiefer schürfen, dann müssen wir uns eingestehen, dass es die in diesem Wissens- und Erfahrungsschatz verankerten Konstruktionen sind, die ursächlich zu diesen negativen Gedanken über uns selbst führen.

Es sind stets abwertende, unsere Entwicklung behindernde Gedanken, die psychischem Schmerz zugrunde liegen.  Und diese Gedanken stecken in den verborgenen, uns nicht bewussten Glaubenssystemen und Überzeugungen, die scheinbar nur sehr schwer zugänglich und  veränderbar sind, da sie seit vielen Jahren unreflektiert verwendet und immer wieder eingeübt wurden. In den Tiefen unseres Bewusstseins schlummern tausende solcher Glaubenssysteme, die einst Erfahrungen waren oder daraus abgeleitete Erkenntnisse sind und in uns nach folgendem Prinzip steuern:

Gute Gedanken - gute Gefühle,  schlechte Gedanken -  schlechte Gefühle.

Schmerz ist ein sehr starkes Gefühl, aber eben ein durch Gedanken erzeugtes Gefühl und deswegen ist Schmerz auch durch Gedanken heilbar. Wir Menschen denken ca. 2000 bewusste Gedanken pro Stunde. Das entspricht 0, 0005 Promille dessen, was an Informationen in der gleichen Zeit an Informationen im  Gehirn verarbeitet wird. Die weitaus meisten „Gedanken“ werden nicht in Worten ausformuliert, sondern sie agieren als Grundlage auf der sich unser gesamtes Denken abspielt. Dies sind die hinder- und förderlichen  Glaubenssysteme, die uns Schmerz und Glück bereiten. Tragen wir zu viel Hinderliches mit uns herum, wird das kurz über lang zu Leid und Schmerz führen.

Wir können das ändern …

Wir können das ändern, indem wir uns auf eine spannende Reise begeben, die tief in unser Inneres führt. Auf dieser Reise erfahren wir, wie unsere Gedanken entstehen und daraus Gefühle werden. Wir tauchen in unseren Wissens- und Erfahrungsspeicher ein und bewerten die darin enthaltenen Informationen neu. Damit ändern wir die Regeln, mit denen wir unser Leben gestalten. Die Folge davon ist eine höhere Zufriedenheit mit sich selbst, eine größere Wertschätzung der eigenen Person und ein schmerzfreies Leben.