Was ist das Ärgerliche am Ärgern?

Wer kennt das nicht? Die ärgerlichen Seiten des Alltags lauern überall. Gerade lief noch allesgut und dann passiert etwas, das einen wunden Punkt in unstrifft, und schon ist die gute Stimmung dahin. Meist reicht eine Kleinigkeit, um die gefühlte innere Befindlichkeit um 180 Grad zu drehen. Sätze wie: „ Udo hat mich verletzt.“ oder „Mein Mann macht mich wütend.“ Kommen uns leicht über die Lippen, aber sind es wirklich die anderen, die für unsere Gefühle verantwortlich sind? Lesen Sie hier, wie Sie aus dieser Falle herauskommen.

Und wann haben Sie sich das letzte mal geärgert? Gründe dafür gibt’s ja genug, über die Unpünktlichen Handwerker, die schnippische Bemerkung einer Kollegin, die drohende Geste eines gestressten Autofahrers, die Unzuverlässigkeit des Partners usw. Aber was genau verursacht die unangenehme Stimmung, wenn wir uns ärgern? Auf bestimmte Auslöser reagiert unser Körper mit einer deutlich ausgeprägten Energie-Bereitstellungsreaktion (die läuft übrigens auch bei Stress ab!), d.h. das vegetative Nervensystem schickt blitzartig eine Anspannung der Muskeln, Adrenalin im Blut für hohe Erregung und Aufmerksamkeit, erhöhter Herzschlag und schnellere Atmung. Kurz, der Körper wird mal eben in eine extrem energie- und Kräfte zehrende Situation gebracht, die bei jahrelanger stetiger Wiederholung Spuren hinterlässt. Wenn wir Glück haben, bleibt es bei hohem Blutdruck, Schulter-Nacken-Beschwerden, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen. Diese Beschwerden bleiben uns sogar deutlich länger treu, als die Situation, in der der Ärger entstanden ist. Der Autofahrer ist längst um die Ecke, der hohe Blutdruck bleibt. Was ist dann die typische Reaktion auf Ärger? Es werden Argumente dafür gesucht, weshalb das so passieren konnte. Hier gibt’s zwei Möglichkeiten: entweder das Ärgernis hat ein anderer ausgelöst oder wir selbst. Der rücksichtslose Autofahrer wird beschimpft, die unfairen Kollegen Rachepläne schmiedend gemieden oder mindestens beim nächsten Anliegen an diese Ungerechtigkeit erinnert (ja, ich weiß, das ist eher weiblich, aber die Männer haben auch ihre Strategien). Das alles ist zwar verständlich, aber erspart uns nicht die schlechten Gefühle und die daraus resultierenden körperlichen Beeinträchtigungen. Nicht die Stimmung des anderen fällt, sondern die eigene! Und wer ist für Ihre Gefühle verantwortlich? Ja genau, Sie selbst und darum können Sie ganz allein dafür sorgen, in Zukunft selbst bestimmt Ihre Gefühle zu steuern!

Das Ärgerliche am Ärgern ist, dass man sich damit selbst bestraft.

Hinter jedem Gefühl steckt ein meist unbewusster Gedanke, den nicht der andere denkt, sondern Sie selbst. Der wütende Autofahrer, der Sie beschimpft weil er sich von Ihnen in seinem Recht beeinflusst sieht, kann nicht darüber entscheiden, ob Sie Ihre Stimmung ändern oder nicht, das tun Sie allein! Es ist eine Sache, was jemand über Sie behauptet und eine andere, was SIE davon als wahr annehmen. Da Sie WISSEN, dass Sie nicht in böser Absicht gehandelt haben, gibt es keinen Grund, dem anderen zu erlauben, die eigene Stimmung zu verändern. Wer sich ärgert, gibt dem anderen die Macht, die eigene Gefühlslage zu beeinflussen.
Ärger ist damit tatsächlich das Abgeben der eigenen Macht an eine andere Person oder Situation. Alle, die jetzt denken, „na die hat gut reden, wenn das so einfach wäre…“ sind in guter Gesellschaft, ich kenne niemanden, der sich niemals ärgert, mich eingeschlossen. Wir können jedoch eine Menge tun, damit unsere negativen Gefühle nicht zum Selbstläufer werden und unsere Lebensqualität beeinträchtigen. Das es nicht so leicht ist, wie es aussieht,liegt wieder mal an unserem Unterbewusstsein. Hier sind all die negativen Glaubenssätze gespeichert, die auch für Ärger verantwortlich sind.


Was können Sie konkret tun?

  1. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre eigenen unbewussten Gedanken den Ärger verursacht haben (das hat nichts mit Schuld zu tun!).
  2. Erlauben Sie sich, das Gefühl da sein zu lassen, es gibt Ihnen eine wichtige Information über Ihre unbewussten Gedanken.
  3. Widerstehen Sie der Versuchung einer impulsiven Reaktion, erbitten Sie wenn nötig bei Ihrem Gegenüber um Bedenkzeit (den Autofahrer können Sie einfach links liegen lassen) und verlassen Sie wenn möglich die akute Situation.
  4. Fragen Sie sich: Welche Aussage über meine Person habe ich wahrgenommen? Im Beispiel des Autofahrers etwa: „Ich bin ein rücksichtsloser Fahrer“
  5. Entscheiden Sie, ob Sie diese Aussage annehmen oder ablehnen wollen.
  6. Die Belohnung: Freuen Sie sich! Es ist Ihnen ein souveräner Umgang mit Ärger gelungen!

Wenn Sie Ihren Gedanken nicht so einfach auf die Schliche kommen, holen Sie sich die professionelle Hilfe eines Coachs. Es wird auf jeden Fall Ihre Lebensqualität um ein vielfaches steigern.


Wollen Sie wissen, ob Sie diese Woche schon in Hypnose waren?

Viele Menschen glauben, Hypnose sei ein willenloser Zustand, in dem man Dinge tut oder sagt, die man hinterher nicht mehr erinnert. Dass das nicht stimmt, konnten Sie bereits in einigen vorherigen Texten lesen. Hypnose ist jeden Tag um uns herum und wir sind im Alltag zig mal in verschiedenen hypnotischen Zuständen ohne uns dessen überhaupt bewusst zu sein. (Hypnose ist ein Zustand, in dem die Suggestibilität, also die Bereitschaft, manipuliert zu werden, erhöht ist).Waren Sie z.B. diese Woche im Kino oder haben Sie sich einen Film im Fernsehen angeschaut? Ja? Dann waren Sie in einem hypnotischen Zustand, denn Sie sahen auf einer weißen Wand viele bunte Lichtblitze und setzten diese Reize in Ihrer Phantasie zu einer Geschichte zusammen, die unter Umständen sogar Ihre Gefühle massiv beeinflusste. Ein Film versetzt uns in eine andere Welt und dessen Inhalt hat Einfluss auf uns, ob wir das merken oder nicht.


Noch ein Beispiel: Hypnotische Sprachmuster.

Wenn jemand Sie fragt, ob Sie lieber Kaffee oder Tee möchten und Sie antworten mit „Tee“, haben Sie in diesem Augenblick höchst wahrscheinlich nicht überlegt, ob Sie überhaupt durstig sind bzw. ob Sie gerade was Besseres vor haben. Noch beliebter ist folgendes Sprachmuster: „Ich konnte leider nicht kommen, mein Hund war krank.“ Diese beiden Aussagen haben tatsächlich nichts miteinander zu tun, bis wir sie in unserer Phantasie verbinden! „Da der Hund krank war und er seine Anwesenheit erzwang, musste er zu Hause bleiben.“ Bleibt die Frage, wieso er seinem Hund so viel Macht über sich zugesteht. Nun, ich hoffe, diesen wenigen Beispiele verdeutlichen, was ich meine. Wir werden immer und überall manipuliert und das ist meist nicht zu unserem Nachteil, sondern kann sogar Spaß machen, wie im Kino. Die klinische Hypnose erlaubt es uns, im Gegensatz dazu, alte unbewusst erworbene Manipulationen wieder bewusst zu machen und damit zu entschärfen.

Mein Tipp: Der Ärger-Mülleimer

Damit Sie Ärger leichter loslassen können, hilft ein imaginärer Trick:
Der Ärger-Mülleimer! Schreiben Sie das, was Sie gerade geärgert hat, auf ein Blatt Papier. Es sollte genau auf den Punkt gebracht werden, was dazu geführt hat, dieses schlechte Gefühl zu spüren. Legen Sie symbolisch das schlechte Gefühl zwischen die Zeilen. Dann knüllen Sie das Papier zusammen und werfen es in den Ärger-Mülleimer, der entweder extra für diesen Zweck aufgestellt wurde oder den Sie dazu bestimmt haben. Wenn Sie danach noch von dem Ereignis sprechen, also noch Energie bereitstellen, um das schlechte Gefühl zu füttern, etwa mit einem Fluch, kostet das einen bestimmten Betrag für die Kaffee-Kasse (oder Spardose).Probieren Sie es für einen Monat aus und schreiben Sie mir, wie es funktioniert. Wenn Sie es konsequent anwenden, haben Sie mit Sicherheit was zu berichten. Wenn Sie sich bestimmte Themen wünschen, über die Sie mehr erfahren wollen, schreiben Sie mir bitte. Es gibt sicher vieles, was Ihnen durch den Kopf geht, und da sind Sie nicht allein. Es ist mir eine große Freude, Ihre großen und kleinen Sorgen hier zu thematisieren.


Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche und viele schöne Dinge, für die Sie dankbar sein können.

Ihre Kathrin Schmitz

 

Über Kathrin Schmitz:
Kathrin Schmitz wurde 1960 in Leipzig geboren und lebt seit 1982 im Rhein-Erft-Kreis.
Als Diplom-Psychologin und Coach betreibt sie eine psychotherapeutische Privatpraxis in Bergheim.

www.praxis-bergheim.de